Onlineversion des Informationsblatt der Magdeburger Straßenbahnfreunde e.V.
Postfach 3611 - 39011 Magdeburg • Nr. 02 / 2013• Redaktionsschluss: 01.02.2013

Tw. 1272 und 1275 Depot Sudenburg.

• Time to say good bye

• Magdeburgs Partnerstadt eröffnet Tram

• Tatra-Wagen zum Abschied nach Reform

• Neu(n)eröffnung – frei nach Günter Jauch

• Grüße zum Jahreswechsel


Time to say good bye

Haben eigentlich auch Straßenbahnen eine Seele? Glaubt man dem tschechischen Kinderbuchautor Ota Hofmann, der 1961 das „Märchen von der alten Straßenbahn“ schrieb, so muss es wohl tatsächlich so sein. Als im alten Prag in den 50er Jahren immer mehr moderne „Tatras“ das Stadtbild prägten, drohte vielen alten Straßenbahnen nunmehr das endgültige Aus und das wohl unvermeidbare Los des Schneidbrenners - so auch der alten Straßenbahn „Therese“, die verlassen in einem Depot traurig ihr Dasein fristete, bis eines Tages ein kleiner Junge kam, um mit ihr diesen Kummer zu teilen. Mitten in der Nacht begannen plötzlich bei der alten Straßenbahn - zunächst ganz langsam - die Glühlämpchen voller Freude wieder zu leuchten.

Am nächsten Tag erzählte der kleine Junge diese rührende Geschichte seinen Freunden und so entstand spontan eine wachsende kleine „Fangemeinde“. Ohne lange zu zaudern, sammelten die Kinder jede Menge Schrott, um „Therese“ gewissermaßen mit Alteisen aufzuwiegen und aus ihrem trübseligen Dasein zu erlösen. Da sich jede Mühe – zumindest im Märchen - immer am Ende auch irgendwo lohnt, sollte „Therese“ zur Freude vieler (großer und kleiner) Kinder bald wieder fahren und fortan als Kinderstraßenbahn in den Straßen der goldenen Stadt unterwegs sein.

Ralf Kozika und die Mitglieder der IGNah bei den MVB e. V. haben diese Geschichte, die in den 60er Jahren auch als Kinderfilm in deutscher Sprache in die DDR-Kinos kam, in ihrer jüngsten - und übrigens sehr zu empfehlenden - Magdeburger Straßenbahnbroschüre nacherzählt, die unter dem Titel „Mit jedem Abschied fängt etwas an“ anlässlich der Tatra-Verabschiedung in Magdeburg am letzten Januarwochenende erstmals in den Verkauf kam. Am Sonntag, dem 27. Januar 2013 hatten die Magdeburger - und mit ihnen zahlreiche Besucher aus dem In- und Aus-land - noch einmal ausgiebig Gelegenheit, um insgesamt fünf Tatra-Züge unterschiedlicher Bauart zwischen Klinikum Olvenstedt und der neuen Endhaltestelle Reform „live“ im regulären Linieneinsatz auf der SL 3 zu erleben. Während eine schier endlose Zahl von Fotografen die letzten Fahrten vom Straßenrand aus begleitete, waren die Wagen am Nachmittag teilweise so überfüllt, so dass kaum noch ein Apfel zu Boden fallen konnte.

Mit dem Einrücken der letzten drei Züge kurz nach 16:00 Uhr im historischen Straßenbahndepot Sudenburg endete nach insgesamt 44 Jahren für Magdeburg eine Ära, die seinerzeit im April 1969 in unserer Stadt ein neues Straßenbahnzeitalter eingeleitet hatte. Begleitet von einem umfangreichen Rahmenprogramm, bei dem auch unser Verein mit einer kleinen Modellstraßenbahnanlage aktiv dabei war, ging schließlich gegen 18:00 Uhr ein bewegender Abschied seinem Ende entgegen. Die zunehmende Abenddämmerung und ein anhaltender Schneeregen sorgten vor der hell erleuchteten Sudenburger Wagenhalle noch einmal für eine eindrucksvolle und unvergessliche Kulisse, die gewiss nicht nur für die Fotografen noch lange in der Erinnerung bleiben wird. Als nach einer beeindruckenden Videopräsentation auf einer Großbildleinwand und einem farbenprächtigen Feuerwerk schließlich die bekannte Melodie von „Time to say good bye“ erklang, mussten nicht wenige der überaus zahlreich erschienenen Besucher und Straßenbahnfreunde mit ihren Tränen kämpfen ... und wer dabei ganz genau hin sah, der glaubte auch in den Augen der alten „Tatras“ tatsächlich ein paar feuchte Abschiedstränen zu sehen. Ob Straßenbahnen wohl auch eine Seele haben?


Magdeburgs Partnerstadt eröffnet Tram

Nach Brest und Dijon wurde im Dezember 2012 mit Le Havre in Frankreich bereits der dritte Straßenbahnbetrieb innerhalb eines Jahres neu eröffnet. Wie in anderen Ländern, so hatten auch in Frankreich viele Städte ihre Tram in den 50er und 60er Jahren als „nicht mehr zeitgemäß“ abgeschafft, wogegen seit einigen Jahren inzwischen mehr als ein Dutzend dieser Städte ihre Straßenbahn wieder eingeführt haben.

Darüber hinaus erreichen uns jedes Jahr Meldungen über die Eröffnung neuer Strecken bei bereits bestehenden Straßenbahnbetrieben, während man im heimatlichen Deutschland – so u. a. in Halberstadt oder in Mülheim an der Ruhr – über die Einstellung ganzer Netze nachdenkt. Warum eigentlich ???. Es muss wohl etwas mit der politischen Einstellung in unserem angeblich so umweltfreundlichen Land zu tun haben.

Le Havre (ca. 180.000 Einwohner und an der Atlantikküste gelegen) ist übrigens seit geraumer Zeit auch Partnerstadt von Magdeburg. Auch MVB-Chefin Birgit Münster-Rendel ließ es sich dabei nicht nehmen, gewissermaßen als Botschafterin unserer Stadt bei der Eröffnung der neuen Tram persönlich dabei zu sein, die am 12.12.2012 exakt um 12:12 Uhr ihren Betrieb aufnahm. Die Streckenlänge des gegenwärtig aus zwei Linien bestehenden Netzes beträgt dabei insgesamt 13 km, wobei vorerst insgesamt 22 fünfteilige Alsthom Citadis 302 zum Einsatz gelangen.

Tatra-Wagen zum Abschied nach Reform - Foto: Heike Rudhard

Tatra-Wagen zum Abschied nach Reform

Tatra-Straßenbahnen der T4D-Familie rollten insgesamt 44 Jahre durch die Straßen unserer Elbestadt. Einsätze auf der 2012 eröffneten Neubaustrecke nach Reform gab es jedoch nur an einem einzigen Betriebstag – dem Tag der Verabschiedung am 27.01.2013.


Neu(n)eröffnung – frei nach Günter Jauch

Im Zusammenhang mit der Eröffnung unsere jüngste Straßenbahnneubaustrecke nach Reform war in der Presse wiederholt zu lesen, dass damit der nunmehr dritte Bauabschnitt der sog. zweiten Nord-Süd-Verbindung erfolgreich seiner Bestimmung übergeben werden konnte. Von wo nach wo führt eigentlich die zweite Nord-Süd-Verbindung der Magdeburger Straßenbahn?

Führt diese nun:
* a) vom Kannenstieg nach Reform – oder
* b) vom Kannenstieg über das Neustädter Feld zum Breiten Weg – oder
* c) von der Albert-Vater-Straße über Europa-, West- und Südring zur Wiener Straße und weiter nach Reform – oder
* d) von der Albert-Vater-Straße (wie vor) über die Raiffeisenstraße zur Warschauer Straße?

Um es gleich vorweg zu nehmen: Der sog. „Fifte-fifty-Joker“, bei dem frei nach Günter Jauch nur zwei von vier möglichen Antworten übrig bleiben, wovon dann eine die richtige ist, dürfte wohl dieses Mal kaum weiterhelfen. Bleibt noch die Möglichkeit, das Publikum oder die Leser der „Volksstimme“ zu fragen … und last not least kann man natürlich auch noch einen entsprechenden Experten anrufen, der das eigentlich ganz genau wissen sollte - z. Bsp. bei unseren kommunalen Entscheidungsträgern, beim Landesministerium für Bau und Verkehr oder bei den MVB.

Eine Durchmesserlinie, die vom Kannenstieg auf eigener Trasse unabhängig von der bereits bestehenden ersten Nord-Süd-Verbindung bis nach Reform führt, wird es auch künftig nicht geben, da für das Nadelöhr Nordabschnitt Breiter Weg nach wie vor keine Alternativtrasse geplant ist. Gerade hier wäre eigentlich eine zweite Nord-Süd-Verbindung zwingend von Nöten, vor allem dann, wenn die geplante Neubaustrecke vom Kannenstieg bzw. vom Neustädter Feld zum Breiten Weg in Betrieb gehen soll. Abhilfe schaffen könnte hier z. Bsp. eine Entlastungsstrecke durch die Jakobstraße, um die in Richtung Alte Neustadt und Nordbrückenzug verkehrenden Linien bereits am Knotenpunkt Ernst-Reuter-Allee / Breiter Weg aus der bestehenden Nord-Süd-Achse zielgerichtet auszufädeln. Dies würde dann die erforderlichen Kapazitätsreserven schaffen, um einen zusätzlichen Straßenbahnverkehr aus Richtung Kannenstieg und Neustädter Feld im Innenstadtbereich auch tatsächlich aufnehmen zu können. Schau´n wir mal, zu welcher Lösung sich unsere zuständigen Entscheidungsträger letztendlich wohl durchringen werden. In punkto „Neu(n)eröffnung“ nach Reform lagen sie zumindest dieses Mal genau richtig.


In eigener Sache

„Gottes Mühlen“ malen bekanntlich langsam – die Mühlen bei Behörden, Versicherungen oder Banken dagegen erst recht. Auch wir als Vereinsvorstand werden zuweilen immer wieder mit unerwarteten und oft recht zeitraubenden technisch-organisatorischen Hürden konfrontiert, sei es nun im Zusammenhang mit dem zuständigen Amtsgericht (bei erforderlichen Änderungen im Vereinsregister), mit dem örtlichen Finanzamt (im Zusammenhang mit den jährlichen Steuererklärungen) oder auch mit der Sparda-Bank, bei der wir bereits seit vielen Jahren unsere Vereinskonten in guten Händen wissen.

Allerdings hatte von uns niemand damit gerechnet, dass eine bereits seit längerem überfällige Namens- und Adressenänderung bei unseren Kontoverfügungsberechtigten, verbunden mit den dabei zu leistenden Unterschriften, einen so langwierigen Verwaltungsakt mit mehreren persönlichen Gesprächsterminen bei der örtlichen Magdeburger Bankfiliale nach sich ziehen würde. Dabei kam erschwerend hinzu, dass eine zügige Bearbeitung unserer Anträge - bedingt durch Urlaub und Feiertage im Zusammenhang mit dem Jahreswechsel - leider nur sehr schleppend vor sich ging, zumal sich auch einige unserer Vorstandsmitglieder zeitweise im Urlaub befanden.
Unter den gegebenen Umständen war es uns im Monat Januar leider nicht mehr möglich, den alljährlichen Kassenbericht bis zur planmäßigen Jahresmitgliederversammlung in der erforderlichen Qualität termingerecht fertig zu stellen, so dass auch die alljährlich geforderte Kassenprüfung durch unsere bestellten Kassenprüfer infolge dessen nicht mehr terminlich eingeordnet werden konnte.

Zu unserer heutigen Mitgliederversammlung können wir deshalb nur einen Tätigkeitsbericht des Vorstandes, jedoch keinen Kassenbericht und auch keinen Kassenprüfungsbericht vorliegen, womit lt. Satzung vorerst auch keine Entlastung des Vorstandes für das zurückliegende Geschäftsjahr beantragt werden kann. Wir möchten deshalb anstelle des planmäßigen nächsten Vereinsabends für Freitag, den 12. April 2013 zu einer gesonderten (außerordentlichen) Mitgliederversammlung einladen, um die fehlenden Tagesordnungspunkte somit satzungsgemäß nachzuholen. Wir bitten an dieser Stelle nochmals um Euer Verständnis. – Der Vorstand -

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Einladung zu einer außerordentlichen Mitgliederversammlung

Auf diesem Wege laden wir alle Vereinsmitglieder zu einer außerordentlichen Mitgliederversammlung für

Freitag, den 12. April 2013 zu 17:30 Uhr in „Leo´s Schlemmer-Imbiss“
Breiter Weg 30a (neben dem eh. Haus der Lehrer / Katharinenturm) ein.

Vorgesehene Tagesordnung:
Kassenbericht des Vorstandes sowie Bericht der Kassenprüfer / Aussprache zu den Berichten sowie zu aktuellen Themen / Beratung und Beschlussfassung über Anträge an die Mitgliederversammlung / Schlusswort des Vorsitzenden.

Sofern schriftliche Anträge an die Mitgliederversammlung (auch zur Änderung oder zur Ergänzung der Tagesordnung) gewünscht werden, so bitten wir diese bis spätestens zum 15.03.2013 beim Vorstand einzureichen.
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Grüße zum Jahreswechsel

Auch im Dezember 2012 übermittelten uns wieder zahlreiche Vereine, Unternehmen und Einrichtungen sowie uns nahestehende Freunde die besten Wünsche zum Weihnachtsfest und zum neuen Jahr, wofür wir auf diesem Weg nochmals herzlichen Dank sagen möchten - so unter anderem:

* Familie Gürtler aus Ebendorf
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Jens Zenker aus Zwickau
* Freunde der Augsburger Straßenbahn e. V.
* Freunde der Bremer Straßenbahn e. V.
* TSF – Thüringer Straßenbahnfreunde e. V. Erfurt
* Historische Straßenbahn der Stadt Frankfurt / Main e. V.
* Freunde der Freiburger Straßenbahn e. V.
* Verein Tram-Museum Graz
* Hallesche Straßenbahnfreunde e. V.
* Freundeskreis Straßenbahn Halberstadt - Verein i. G.
* Förderverein Straßenbahn Hannover e. V.
* TSNV - Treffpunkt Schienennahverkehr Karlsruhe e. V.
* Straßenbahn- und U-Bahn-Freunde Köln e. V.
* Arbeitsgemeinschaft Historische Nahverkehrsmittel e. V. Leipzig
* FTM – Freizeitgruppe Transportwesen der Verkehrsbetriebe Mannheim e.V.
* Traditionsverein der Plauener Straßenbahn e. V.
* MBV – ModellBauVerein Nahverkehr Schwerin
* Stuttgarter Historische Straßenbahnen e. V.
* TRLS Gruppe Germany
* Verein Historische Trambahnen Turin
* VEF Verband der Eisenbahnfreunde Österreichs / Gruppe Straßenbahn / Wien


Terminvorschau 2013

22./24.03. Modellbahnausstellung in Karlsruhe
12.04. Mitgliederversammlung MSF e. V. – Leo´s Schlemmerimbiss
04./05.05. Familiefest im Handelshafen
17./19.05 100 Jahre Straßenbahn in Woltersdorf
24./26.05. Kleine Straßenbahn ganz groß in Chemnitz
08.06. Historischer Straßenbahnfahrtag in Halberstadt (alle vorhandenen Lindner-, LOWA-, Gotha- und Rekowagen sowie div. GT4)
14.06. Vereinsabend MSF e. V. – Leo´s Schlemmerimbiss
09.08. Vereinsabend MSF e. V. – Leo´s Schlemmerimbiss
17./18.08. Sommerfest Frankfurt/Main Schwanheim
03./06.10. "Modell-Spiel-Hobby" Messe Leipzig
11.10. Vereinsabend MSF e. V. – Leo´s Schlemmerimbiss
25./27.10. Magdeburger Modellbahnausstellung im ArtDepot
14.12. Jahresabschluss MSF e. V. / Vereinskeller im Handelshafen
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Fett Ausstellungen mit vsl. Teilnahme der Magdebg. Straßenbahnfreunde.

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Arbeitstage im Hafen

Unsere Arbeitstage im Hafen finden regelmäßig Montags ab 16.30 Uhr und Sonnabends ab 14.00 Uhr statt.

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Ansprechpartner:

- Michael Menz Tel.: 0391/ 73 158 81 oder 0171/ 622 52 85
- Jörg Lahn Tel.: 0162/ 98 76 175
- Christoph Rudhard Tel.: 0511/ 286 2065

Das Infoblatt gibt der Vorstand der Magdeburger Straßenbahnfreunde e. V. heraus.
Das nächste Infoblatt erscheint zur Jahresmitgliederversammlung am 12.04.2013.

Text- und Bildbeiträge: Heike & Christoph Rudhard
Layout / Druck und Gestaltung: Michael Menz

Onlineversion der jeweiligen Ausgabe: Andreas Kanter