www.msf-ev.de Informationsblatt der Magdeburger Straßenbahnfreunde e. V.

                                                   

Postfach 3611 – 39011 Magdeburg  Nr. 04 / 2007 Redaktionsschluß: 10.04.2007

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·      Schweriner Straßenbahnen in Magdeburg

 

·      Neuer Vereinsvorstand nahm Arbeit auf

 

·      Tram in Naumburg wieder täglich

 

·      Döbeln eröffnet Pferdebahn

 


 

Schweriner Straßenbahnen in Magdeburg


Textfeld:  Schweriner Zug in Magdeburg – Tw. Schwerin 31 mit zwei Beiwagen (wohl Schwerin Nr. 78 und 79) in der Magdeburger Kantstraße ca. 1968 im Einsatz auf SL 12 / Foto: Repro Sammlung Rudhard.

Bereits in den Jahren 1965/66 hatte die Magdeburger Straßenbahn zahlreiche zweiachsige Trieb- und Beiwagen der Typen T2-62 und B2-62 aus dem VEB Waggonbau Gotha erhalten, die zunächst im Anschluss an die 1960/61 gelieferten Fahrzeugen mit den Betriebsnummern 407 bis 417 (Triebwagen) und 514 bis 531 (Beiwagen) eingereiht wurden. Mit der späteren Übernahme einiger Gebrauchtfahrzeuge aus Leipzig, gab es dann innerhalb dieser Nummernreihen nochmals geringfügige Änderungen.

 

Ohne die sonst übliche Vorankündigung in der örtlichen Tagespresse trafen im Laufe des Jahres 1967 völlig überraschend nochmals 7 Trieb- und 14 Beiwagen gleicher Bauart in Magdeburg ein. Wie allgemein bei Gothaer Wagen üblich, wurden auch diese Fahrzeuge vom Werk her nur mit einem farbigen Zierstreifen geliefert, der bei dieser Serie anstelle des üblichen Magdeburger „grün“ in der Farbe „blau“ gehalten war. Betriebsnummern, Wappen und sonstige Beschriftungen wurden bei Fahrzeugen aus DDR-Produktion stets erst in der hiesigen Hauptwerkstatt Herrenkrugstraße angebracht.  Passend zur Farbe der Zierstreifen wählte man auch bei den Betriebsnummern und beim damals üblichen Schriftzug „Vorsicht beim Überholen“ am Heck der Beiwagen die Farbe „blau“,  wobei ansonsten das für Magdeburg übliche Beschriftungsschema beibehalten wurde. Das Stadtwappen mit der Magdeburger Jungfrau (Nass-Schiebebild) wurde allerdings abweichend auf den mittleren Fensterscheiben angebracht; auf den Schriftzug „Ohne Schaffner – Zahlboxbetrieb“ – sonst in der Farbe „rot“ neben den Einstiegstüren  -wurde gänzlich verzichtet.

 

Besonders auffällig waren bei diesen Fahrzeugen allerdings die für Magdeburg völlig untypischen Betriebsnummern – bei den Triebwagen: 29 bis 35 und bei den Beiwagen: 74 bis 87. Dies war vor allem deshalb kurios, da es in den v. g. Nummernreihen in Magdeburg bereits Triebwagen mit gleichlautenden Wagennummern gab – z. Bsp. bei den bekannten „Hechtwagen“.

 

Wenig später lüftete schließlich die örtliche Tagespresse dann doch noch das Geheimnis: Die neuen Fahrzeuge waren eigentlich für Schwerin bestimmt gewesen, würden aber zunächst in Magdeburg zum Einsatz gelangen ... Die Hintergründe für dieses Novum  waren letzten Endes in der staatlichen Planwirtschaft der DDR zu suchen, wonach es neue Straßenbahnwagen für die örtlichen Verkehrsbetriebe nur auf Zuteilung vom zuständigen Fachministerium in Berlin gab. Im Zusammenhang mit einer geplanten Neubaustrecke in den Stadtteil Lankow war auch die Schweriner Straßenbahn 1967 mit einer größeren Fahrzeuglieferung staatlicherseits bedacht worden. Allerdings wurde die v. g. Strecke erst zwei Jahre später fertig gestellt, was jedoch den VEB Waggonbau Gotha nicht davon abhielt, die staatlichen Planvorgaben termingerecht zu erfüllen und die bestellten Fahrzeuge pünktlich auszuliefern … nur eben vorerst nicht nach Schwerin.

 

Für die Magdeburger Straßenbahn erwies sich diese außergewöhnliche Zuteilung neuer Fahrzeuge in der Tat als „warmer Regen“, wenngleich diese Maßnahme von vorn herein nur zeitlich begrenzt war. So konnte mit sieben fabrikneuen Zügen bis zum Eintreffen der ersten „Tatra“-Wagen im Jahre 1969 eine wichtige Lücke im Wagenpark geschlossen werden, was wiederum die Ausmusterung einer Reihe von Altbaufahrzeugen zur Folge hatte, die zum Teil noch kurz vorher eine Hauptuntersuchung, verbunden mit der Umrüstung für den schaffnerlosen Betrieb, erhalten hatten. Dies betraf beispielsweise die Triebwagen Nr. 17, 20, 22, 23 und 36 bis 38 sowie div. Beiwagen aus den Reihen 278 bis 302 (sog. „Glaswagen“) und 241 bis 244 (KSW).

 

Beheimatet waren die Schweriner Züge im Betriebshof Südost, der sie zunächst ausschließlich auf der SL 12 – und später auch auf der SL 2 – zwei Jahre lang täglich einsetzte. Hier zeigten sich die Fahrzeuge stets in einem sehr guten Pflegezustand, was seiner Zeit nicht immer unbedingt eine Magdeburger Tugend war. Nach ihrem ungewöhnlichen Gastspiel an der Elbe traten die „Schweriner“ schließlich im Sommer 1969 ihre Reise per Bahnwagen in die mecklenburgische Bezirksstadt an, wo sie noch Jahre später auf Grund ihrer Wagennummern und wegen ihren unverkennbaren Beschriftungsmerkmalen als ehemalige „Magdeburger“ deutlich zu erkennen waren. Geändert hatte sich eigentlich nur das örtliche Stadtwappen, was sich jetzt auch an der üblichen Stelle auf dem Seitenwandblech befand. Und nicht zuletzt: Auch auf unserer Modellstraßenbahnanlage dreht seit einigen Wochen ein solcher Dreiwagenzug seine Runden, was uns gleichsam Anlaß war, ein Stück (fast) schon vergessener Magdeburger Straßenbahngeschichte noch einmal Revue passieren zu lassen.

 

- Neuer Vereinsvorstand nahm Arbeit auf

 

Nach seiner Konstituierung zur Jahresmitgliederversammlung trat unser neu gewählter Vereinsvorstand am Sonnabend, dem 24.03.2007 zu seiner ersten planmäßigen Sitzung zusammen. Neben der Bestätigung der vorliegenden Sitzungsprotokolle (letzte planmäßige Sitzung aus der zurückliegenden Wahlperiode sowie Protokoll der Mitgliederversammlung) standen dabei in erster Linie organisatorische Fragen zum Geschäftsverteilungsplan der Vorstandsmitglieder sowie Änderungen zum Vereinsregister und zu den Bankvollmachten im Vordergrund. Wie bereits in der letzten Wahlperiode praktiziert, werden unsere Vorstandssitzungen jeweils im zweimonatigen Turnus zwischen den Vereinsabenden durchgeführt. Der nächste planmäßige Termin ist im Monat Mai vorgesehen.


- Tram in Naumburg wieder täglich


Ostern feiern Christen bekanntlich als Fest der Auferstehung. Dass auch (längst tot geglaubte) Straßenbahnbetriebe eine solche Auferstehung erleben können, darüber kann in diesem Jahr im Osten Deutschlands erfreulicherweise gleich zweimal berichtet werden …

 

Wirklich tot war Naumburgs „Elektrische“ eigentlich nie, da es engagierten Straßenbahnfreunden über Jahre hinweg immer wieder gelang, eine drohende (und endgültige) Stilllegung stets erfolgreich abzuwenden. Auch gab es immer wieder an ausgewählten Wochenenden einen Fahrbetrieb, der zwischenzeitlich nur noch auf einigen hundert Metern vor und hinter dem Betriebshof möglich war. Seit dem letzten Wochenende ist die „Wilde Zicke“, wie die Tram in der Saalestadt liebevoll genannt wird, zumindest im Sommerhalbjahr wieder im täglichen Einsatz  und verbindet – wie eh und je – den Bahnhof mit der Innenstadt, wenn auch (noch) nicht wieder als geschlossene Ringbahn. Gefeiert wurde die Wiedereröffnung mit einem großen Volksfest und einem Fahrzeugkorso. Hier konnten u. a. der ehemaliger Gothaer Gelenktriebwagen 202 sowie der Htw. 401 aus Halle an der Saale (Typ „Lindner“) im Einsatz beobachtet werden.

- Döbeln eröffnet Pferdebahn


Voraussichtlich im Sommer 2007 wird es auch im sächsischen Döbeln wieder eine Straßenbahn geben. Im Jahre 1926 hatte hier eine der letzten Pferdebahnen Deutschlands ihren Betrieb eingestellt, die nie durch eine „Elektrische“ abgelöst worden war. Ein solcher Schritt ist auch jetzt nicht beabsichtigt. Da ein Großteil der Gleisanlagen bis in unsere Tage erhalten blieb, ergab sich vor wenigen Jahren im Vorfeld der geplanten komplexen Umgestaltung der historischen Döbelner Innenstadt die Frage: Was soll mit diesen Relikte der örtlichen Verkehrsgeschichte passieren ? Schließlich hatten die Gleisreste fast 80 Jahre lang alle Wirren der Zeit überstanden. Zum Glück siegte (ausnahmsweise) auch einmal die Vernunft und man erkannte plötzlich, dass eine Pferdebahn eine besondere Touristenattraktion darstellt, die es in dieser Form heute in keiner anderen Stadt auf dem europäischen Festland mehr gibt. Mit dem Pferdebahnwagen Nr. 145 aus Neuchatel in der Schweiz (zeitweise auch in Naumburg und in Darmstadt im Einsatz), einem noch vorhandenen ehemaligen Pferdebahnwagen aus dem sächsischen Meißen sowie einigen wenigen PS soll es auf einer ca. 1,8 km langen Strecke in diesem Sommer wieder rollen – auf rekonstruierten und wiederhergestellten (historischen) Gleisen.

 

Terminvorschau 2007

 

19./22.04.         AHN-Tagung in Graz

26./27.05.         Modellstraßenbahntreffen Stuttgart-Zuffenhausen

01.06               Vereinsabend der Magdeburger Straßenbahnfreunde

08./10.06.         Modellstraßenbahn-Workshop in Halle / Saale *)

10.08.              Vereinsabend der Magdeburger Straßenbahnfreunde

09.09.              Straßenbahnjubiläum in Potsdam *)

12.10.              Vereinsabend der Magdeburger Straßenbahnfreunde

12./14.10.         „Modell&Hobby“-Messe Leipzig

14.10.              HAVAG-City-Tag in Halle (Saale) / Streckeneröffnung *)

14.12.              Vereinsabend der Magdeburger Straßenbahnfreunde

 

*)                     mit geplanter Teilnahme der Magdeburger Straßenbahnfreunde

 

Arbeitstage im Hafen

 

Unsere Arbeitstage im Hafen finden regelmäßig Montags ab 16.30 Uhr und Sonnabends ab 14.00 Uhr statt; (vorgesehene Arbeiten: Weitere Ausgestaltung unserer Vereinsräume; Komplettierung der Anlagen-Module „Steubenallee“ und „Planckstraße“; Werterhaltung an den vorhandenen Modell-Anlagenteilen).

 

Ansprechpartner:

 

-          Michael Menz                     Tel.: 0391/ 73 14 094 oder 0171/ 622 52 85

-          Klaus Eimer                       Tel.: 0391/ 25 42 147

-          Christoph Rudhard              Tel.: 0511/ 286 2065

 

Das Infoblatt gibt der Vorstand der Magdeburger Straßenbahnfreunde e. V. heraus. Das nächste Info-Blatt erscheint zum Vereinsabend am 01. Juni 2007 / 17:30 Uhr im Hafen.

 

Textbeiträge:                            Christoph Rudhard

Druck und Gestaltung :             Michael Menz.