Informationsblatt der Magdeburger Straßenbahnfreunde e.V.
Postfach 3611 – 39011 Magdeburg / 2009 Redaktionsschluß: 10.06.2009


Kokslöschbahn Großgaserei

Wo der Koks gelöscht wurde
Histor. Eisenbahnfest im Handelshafen
40 J. Tatra – 25 J. Tram nach Olvenstedt
Ist die Panoramabahn noch zu retten ?
„Großbaustelle“ Niederlockwitz Post

  

Wo der Koks gelöscht wurde

In unserer April-Ausgabe hatten wir über eine fast schon vergessene Industriebahn in der Großgaserei Magdeburg berichtet und bei unseren Lesern in diesem Zusammenhang angefragt, wer diesbezüglich eventuell nähere Angaben machen könnte. Im Ergebnis dessen wurden wir gleich in zweifacher Hinsicht fündig: Zum Ersten fand ich eher zufällig im Nachlass meines verstorbenen Vaters eine sehr interessante Broschüre über die damals gerade neu errichtete Großgaserei und Kokerei Rothensee aus dem Jahre 1932, die neben ausführlichen Beschreibungen auch ein Foto von der sog. „Kokslöschbahn“ enthielt, was wir natürlich gleich eingescannt haben, um es in unserer aktuellen Ausgabe zu veröffentlichen.

Der Koks kam damals glühend heiß aus der sog. Ofenbatterie und wurde dort zunächst in einen Spezialwaggon verladen. Mittels einer kleinen E-Lok ging es dann zum sog. Löschturm, um die heiße Masse mit kaltem Wasser zu löschen. Nach dem Löschvorgang zog die Lok dann selbigen Wagen wieder zurück, wobei die Entladung über eine seitliche Rampe mittels Schwerkraft erfolge. Um dieses zu ermöglichen, besaß der Spezialwaggon einen schräg zur Außenseite hin geneigten Wagenboden .

Am 11. Mai erreichte uns schließlich eine Zuschrift von unserem Leser Rainer Mann, der in den 80 er Jahren als Montagearbeiter in der Großgaserei Rothensee tätig war. Er schrieb uns dazu folgendes: „Die beschriebene Bahn ist die Kokslöschbahn; diese führte nur einige hundert Meter hinter dem Ofen bis zum Löschturm. Dort verkehrten E-Loks, die aus seitlichen Stromschienen in ca. 2,50 m Höhe versorgt wurden. Wir mussten immer wieder aufpassen, wenn man ein langes Rohr „auf dem Buckel“ hatte, dass man dieses beim Überqueren der Strecke auch gerade [und in einem ausreichenden Abstand] hielt. Es gab meines Wissens zwei Loks mit erhöhtem Führerstand, damit der Lokführer die Beladung des angehängten Wagens beobachten konnte. Es kam nur ein Wagen zum Einsatz – eine Art Schüttgut- oder Selbstentladewagen. Dieser wurde hinter dem Ofen durch Ausstossen des Kokses von der anderen Ofenseite beladen und fuhr den glühenden Koks zum Löschturm. Dort wurde mit Wasser gelöscht – was die typischen Rauchpilze ergab – und dann entladen. Der Weitertransport erfolgte mit Bandanlagen.“ Herr Mann verweist in diesem Zusammenhang auch auf das Buch „Werk- und Industriebahnen in Ostdeutschland“ vom EK-Verlag, in dem auch ein entsprechendes Farbfoto enthalten sein soll. Nochmals vielen herzlichen Dank. In der langjährigen Industrie- und Verkehrsgeschichte unserer Heimatstadt lässt sich sicherlich noch so manches entdecken. - Christoph -



Historisches Eisenbahnfest im Handelshafen

Die alljährlich in den Monaten Mai und September stattfindenden Historischen Eisenbahnfeste im Magdeburger Handelshafen sind inzwischen zu einer festen Tradition geworden. So zog dann auch die diesjährige Frühjahrsveranstaltung bei „durchwachsenem“ Maiwetter wieder recht viele Besucher an. Ein besonderer Höhepunkt waren dabei einmal mehr die bereits im letzten Jahr praktizierten Eisenbahnsonderfahrten entlang des August-Bebel-Dammes bis zum neuen Hansehafen. Allerdings konnte die beliebte „Ferkeltaxe“ von einem befreundeten Eisenbahnverein wegen eines Motorschadens dieses Mal nicht verkehren, so dass ersatzweise der historische VB 140.080 von der Dessau-Wörlitzer Eisenbahn mit einer V60 zum Einsatz kam, die am anderen Zugende durch eine V100 der Magdeburger Hafen GmbH unterstützt wurde. Unser Verein zeigte neben Teilen seiner Modellstraßenbahnanlage erstmals auch eine Computersimulation mit dem Straßenbahnnetz von 1941, die neben unserem Souvenirtisch über einen Laptop plus Beamer gesteuert wurde.


40 Jahre Tatra – 25 Jahre Tram nach Olvenstedt

Im Monat April standen bei der Magdeburger Straßenbahn gleich zwei besondere Jubiläen an: So verkehrten vor 40 Jahren am 20. April 1969 erstmals Tatrawagen auf der Straßenbahnlinie 3, womit in der Elbestadt die bis dahin größte Modernisierung im Wagenpark der „Elektrischen“ Einzug halten sollte. An diesen denkwürdigen ersten Einsatztag vor nunmehr 40 Jahren wurde am Sonnabend, dem 18. April mit einer kleinen Fahrzeugschau sowie mit anschließenden Rundfahrten als „Linie 3“ auf der damaligen Route zwischen Diesdorf und Leipziger Chaussee erinnert, wobei neben den beiden bekannten Traditionswagen 1001 und 2002 erstmals auch der Triebwagen 1120 zum Einsatz kam, der seit dem die historische Fahrzeugflotte sinnvoll ergänzt. Weitere Veranstaltungen unter dem Motto „40 Jahre Tatrawagen“ sollen in diesem Jahr noch folgenden. Nicht vergessen wollen wir an dieser Stelle auch die 25-jährige Wiederkehr der ersten Straßenbahnfahrt nach Olvenstedt, ging doch die insgesamt 4,2 km lange Strecke vom Olvenstedter Platz bis zum heutigen Klinikum an der Birkenallee am 27. April 1984 in Betrieb, wobei der Eröffnungskorso - mit den beiden historischen Triebwagen 124 und 70 an der Spitze - damals von zahlreichen Magdeburgern begleitet wurde. Wenn es aus diesem Anlass in diesem Jahr auch keine speziellen Sonderfahrten ab, so wurde dieses Jubiläum dennoch in der Magdeburger Tagespresse gebührend gewürdigt .


Ist die Panoramabahn noch zu retten ?

Im Zusammenhang mit dem 10-jährigen Bestehen des Magdeburger Elbauenparks (BUGA 1999) berichtete die „Volksstimme“ im Mai 2009, dass die Stadt zwar weiterhin an der kostenintensiven Beitreibung der Parkanlage festhalten will – von der Panoramabahn möchte man sich jedoch am liebsten trennen. „Still legen, verkaufen oder verschrotten“ lauten dabei die möglichen Varianten. Somit könnte dann unsere Elbestadt schon bald um eine Touristenattraktion ärmer sein. Interessanterweise war jedoch in diesem Zeitungsbeitrag auch zu lesen, dass man im Hinblick auf eine wirtschaftliche Parkbelebung nach neuen Ideen sucht. Halle oder Erfurt bieten zum Beispiel an jedem Sonnabend öffentliche Stadtrundfahrten mit ihren historischen Straßenbahnen an, während die Oldtimer bei uns die meiste Zeit über im Depot stehen, wo es in der Regel nur ein- bis zweimal im Jahr einen Tag der offenen Tür für interessierte Besucher gibt. Warum eigentlich nicht regelmäßig mit diesen Wagen in den Herrenkrug fahren und dabei die Panoramabahn in das Rundfahrtprogramm aktiv einbeziehen ? Dies wäre doch sicherlich eine neue Idee ....


„Großbaustelle“ Niederlockwitz Post

Seit dem letzten Märzwochenende wird an unserem ältesten Heimanlagen-Modul kräftig gewerkelt, nach dem dieses 80 x 120 cm große Plattenteil von Christoph Rudhard seit dem Jahre 2000 auf vielen Ausstellungen zu sehen war. Allen „Unkenrufen“ zum Trotz ging die umfassende – und seit langem überfällige - Grundsanierung in den letzten Tagen recht zügig voran, so dass der „Bauherr“ optimistisch ist, um mit dem sanierten Plattenteil in ca. 4 Wochen auch nach Nürnberg zu fahren. Allen Vereinsfreunden, die an dieser „Großbaustelle“ in den zurück liegenden Wochen aktiv mitgewirkt haben, an dieser Stelle ein herzliches Dankeschön.


Terminvorschau 2009


Beitragszahlungen 2009

An dieser Stelle nochmals unsere Bitte an alle „säumigen“ Mitglieder, die ihren Jahresbeitrag noch nicht entrichtet haben: Denkt bitte an Eure Pflichten und überweist Euren fälligen Beitrag auf unser Vereinskonto. Auch eine persönliche Entrichtung bei unserem Kassenwart ist natürlich jeder Zeit möglich .


Arbeitstage im Hafen

Unsere Arbeitstage im Hafen finden regelmäßig Montags ab 16.30 Uhr und Sonnabends ab 14.00 Uhr statt. [Vorgesehene Arbeiten: Komplettierung und Werterhaltung an den vorhandenen Modell-Anlagenteilen – hier vordergründig Anlagenteile „Planckstraße“ und „Steubenallee“ sowie Vorbereitung der Anlagenteile für die Veranstaltung in Nürnberg im Monat Juli]. Am Sonnabend, dem 04.07.2009 findet vsl. kein Arbeitstag im Hafen statt.


Ansprechpartner:


Das Infoblatt gibt der Vorstand der Magdeburger Straßenbahnfreunde e.V. heraus. Das nächste Infoblatt erscheint zum nächsten Vereinsabend am 14.08.2009.